Spiel

Im Spielen zeigt uns das Kind sein Wesen. Schauen wir ihm dabei zu, dann wissen wir,
wie es fühlt, was es bewegt, was es wünscht und wo es in der Welt steht.


Spielen bildet.

In keiner Lebensphase ist der Mensch so lernwillig, nie wieder erwirbt er so viele Fähigkeiten wie in der frühen Kindheit. „Was sich das Kind erspielen darf, wird zum 'Lebensvermögen' des Erwachsenen.“ Dies ist der Leitgedanke, der Waldorfeltern und Erzieherinnen bei der Ausgestaltung der Spielräume und Spielzeiten bewegt.

Die Aufgabe der Erzieherinnen ist es, darauf zu achten, dass das Kindergartenspiel drei Bedingungen erfüllt:


Bewegung

Bewegung ist eine der wichtigsten Bedingungen des kindlichen Spielens. Laufen, Springen, Schaukeln, Balancieren, Bauen und Handwerkeln – im Waldorfkindergarten bekommt Ihr Kind ausreichende Bewegungsmöglichkeiten.

Anregung

Die Anregung der Sinne zu einem reichen Erleben der Umwelt im Spiel: dies ist der zweite große Schatz, den wir Ihrem Kind auf seinen Lebensweg mitgeben wollen. Ein Kind muss sehen und staunen, hören und lauschen, sprechen, rufen und singen, malen, formen und gestalten können; es muss auch springen, balancieren und fallen können – jeder Körpersinn ist dazu da, angeregt und entwickelt zu werden.

Ihr Kind erhält im Kindergarten vielfältige Anregungen. Dabei wird auf natürliche, einfach und positiv zu verarbeitende Reize Wert gelegt. Einige Beispiele:

  • Anregung der Phantasie durch einfaches, wenig festlegendes Spielzeug,
  • Anregung des optischen Sinnes durch Raumgestaltung, Blumenschmuck und liebevoll aufgebauten Jahreszeitentisch,
  • Anregung des taktilen Sinnes durch die verwendeten Materialien (z.B. Wolle für Seilspiele, Obstkerne für den Marktstand, Holzstücke zum Bauen),
  • Anregung des Lebenssinnes, indem für das Kind lebendige Bilder erzeugt werden: z.B. durch Märchen, Lieder und Puppenspiele,
  • Anregung des inneren Gleichgewichts durch Rhythmus und für das Kind nachvollziehbare Regeln im Tages- und Wochenablauf (z.B. wiederkehrender Wechsel von Ruhe und Aktivitätsphasen, bei den Mahlzeiten, bei den Geburtstagen, Jahreszeitenfesten etc.)

Vorbild

Kinder suchen und brauchen Vorbilder. Bevor ein Kind seine eigene Schaffenskraft erwirbt, zielgerichtet handelt und ein soziales Verhalten entwickelt, ist es auf Nachahmung angewiesen. Hier hat die Familie und auch der Kindergarten eine sehr wichtige Funktion.

Das Vorbildprinzip lebt im Kindergarten zu allen Zeiten, in allen Ecken und Situationen: beim Spielen und in den Momenten zwischendurch. Wenn die großen Kinder den Tisch decken oder den Geburtstagskuchen backen, warten die Kleinen darauf, es endlich auch tun zu dürfen. Wenn die Erzieherinnen vorsingen oder ein Puppenspiel zeigen, präsentieren die Kinder zuhause stolz das Gehörte und Gesehene. Wenn vor dem Gartenspiel einige schon selbst die Schnürsenkel binden, weckt es den Ehrgeiz der Gleichaltrigen.

Im Vorbildsein und Nachahmen von Vorbilern stecken große soziale Potenziale. Beim Spielen zeigt sich das sehr anschaulich: beim Festlegen und Einhalten von Spielregeln, beim Lösen von Konflikten und nicht zuletzt beim Zuendebringen von weniger geliebten Tätigkeiten.